Gig Economy – Modeerscheinung oder neuer Trend?

Gig Economy – Modeerscheinung oder neuer Trend?

«Gig Economy» ist ein Ausdruck, welchen man immer wieder in der Presse wiederfindet. Was bedeutet das eigentlich?  Gig-Economy ist ein Begriff, der sich auf die zunehmende Tendenz von Unternehmen bezieht, unabhängige Auftragnehmer und Kurzarbeiter einzustellen und die erhöhte Verfügbarkeit von Arbeitskräften für diese kurzfristigen Vereinbarungen. Die Gig-Economy hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen teilweise aufgrund der Beliebtheit des Internets auf auch aufgrund neuer technischer Möglichkeiten wie z. B.  Apps und Peer-to-Peer Portale, welche Nachfrager und Anbieter auf einfachste Weise miteinander in Kontakt bringen.

In Wikipedia kann man folgende Definition/Beschreibung nachlesen:

Gig Economy (von englisch: Gig für Auftritt) bezeichnet einen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Dabei dient häufig eine Onlineplattform als Mittler zwischen Kunde und Auftragnehmer, die Rahmenbedingungen setzt und deren Betreiber eine Provision einbehält.

Wenn man diesen Markt aus der Perspektive von Rachel Botsmann’s Definition der Sharinng Economy betrachtet, kann man die Gig-Economy ebenfalls der Sharing/Access Economy zuweisen. Es geht um den Zugang zu Arbeitskräften resp. Skills, ohne dass man diese in Form von Vollzeit-Jobs «besitzen» muss.

Ist die Gig-Economy Teil der digitalen Transformation?

Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig «Ja». Peer-to-Peer Plattformen gehören zu den 50 Business Model Pattern, welche man im Business Model Navigator von BMI lab nachlesen kann. Im Rahmen der laufenden digitalen Transformation wird der Arbeitsmarkt einige Umwälzungen erfahren. Heute ist es aus unterschiedlichen Beweggründen gang und gäbe, dass ältere Arbeitskräfte durch jüngere und ggf. «günstigere» Mitarbeitende ersetzt werden. Andere Job-Arten werden durch neue Technologien abgelöst werden.

Wir sind überzeugt, dass die Gig-Economy nicht nur fester Bestandteil des Sharing Economy Marktes ist, sondern dass es ein alternatives Beschäftigungsmodell darstellt, welches es Menschen die Möglichkeit verschafft, einer wertschätzenden Beschäftigung nachzugehen. Es gibt auch in der Schweiz bereits derartige Plattformen, wie z.B. Lawoon.

Was wird sich also ändern?

  • Gig-Worker liefern eine definierte Leistung im Auftragsverfahren. Es besteht jedoch ein gewisses Risiko, dass Vollzeitjobs immer mehr durch Teilzeit-Aufträge ersetzt werden könnten, mit den Auswirkungen welche wir ja bereits heute in Europa beobachten können (z.B.  400 € Jobs usw.);
  • Gig-Worker sind in der Lage ihr Wissen und ihre Erfahrung eigenständig und gewinnbringend zu vermarkten (Einzelunternehmer);
  • Gig-Economy ermöglicht es Unternehmen ihre Kostenstruktur zu optimieren, ohne auf die wichtigen Skills verzichten zu müssen.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In den USA ist die Gig-Economy bereits weit verbreitet mit über 53 Mio. Menschen, die als Temporärarbeitende eingesetzt werden. Die Gig-Economy ist somit nicht nur ein Schlagwort. Es ist eine genaue Beschreibung des Zustandes des modernen Arbeitsmarktes; Obwohl das Bureau of Labor Statistics in den USA zugegeben hat, dass es schwierig ist, die genaue Anzahl an unabhängigen Auftragnehmern und Zeitarbeitern zu zählen, schätzt Intuit, dass Gig-Arbeiter 34 Prozent der Belegschaft ausmachen und bis 2020 auf 43 Prozent anwachsen werden.

Der Bericht «the future of work» von EY aus dem Jahr 2016 vermittelt ebenfalls einige interessante Einblicke.

Gesellschaftspolitische Auswirkungen?

Gut möglich, dass diese Tendenz der Gig Economy auch gesellschaftspolitisch Auswirkungen haben wird. Wunsch und Wirklichkeit klaffen aber noch weit auseinander und bedingen, dass die Regelwerke diesen neuen Trends angepasst werden müssen.

Die Nachfrage seine Dienstleistungen unkompliziert und effizient anbieten zu können, ohne sich langfristig an einen Arbeitgeber binden zu müssen, steht besonders bei der jungen Generation Y und Z im Vordergrund. Bereits 2017 hat die NZZ dazu einen interessanten Artikel publiziert.

Es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass immer mehr Schweizer Unternehmen flexible Arbeitsplatzmodelle miteinbeziehen. Es wird geschätzt, dass ca. 30% der Arbeitnehmer bereits heute Home-Office-Möglichkeiten nutzen.

Auch der Co-Working-Markt weitet sich immer mehr aus. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, welche flexible Arbeitsplatzumgebungen anbieten, wie z.B. VillageOffice. verrichten können.

Swissstaffing spricht in seiner Aktualisierungsstudie von 2014 sogar von einem Zuwachs der Temporärbranche von über 21% seit dem Jahr 2010 und befasst sich ebenfalls mit dem Thema Gig Economy.

Wirtschaftliche Bedeutung

2008 hatten wir mit einer weltweiten Rezession zu kämpfen. Viele Unternehmen verhängten Einstellungsstopps. Dies hat zu einer massiven Spaltung zwischen Arbeitnehmern unter 30 Jahren und Arbeitnehmern über 50 geführt.

Für Arbeitslose ist die Gig-Economy sowohl Chance als auch Herausforderung. Da viele kleine Teilzeitjobs verfügbar sind, können auch nicht Vollzeitbeschäftigte Jobs finden, um über die Runden zu kommen. Da es für Arbeitgeber jedoch günstiger ist, Jobs als Auftrag zu betrachten und zu handhaben, wird es immer schwieriger werden Vollzeitjobs zu finden bei der zunehmenden Digitalisierung. Dies ruft nach einem Umdenken auf allen Ebenen: Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Erfahrung und Möglichkeiten / Werte und Unabhängigkeit

Junge Menschen sehnen sich nach neuen Erfahrungen und neuen Möglichkeiten, insbesondere wenn sie nicht sicher sind, was sie tun wollen. Die Gig-Economy gibt ihnen diese Möglichkeit.

Die Gig-Econnomy ist auch eine Alternative für Menschen welche ohne fixe Arbeit sind oder vom RAV bereits ausgesteuert worden sind. Sie verschafft Menschen weiterhin die Möglichkeit sich «nützlich» zu fühlen und für sich selbst zu sorgen, ohne in die Fänge der Sozialwerke zu fallen.

Junge Menschen sind dafür bekannt, dass sie am Arbeitsplatz Unabhängigkeit suchen und sich wann immer möglich für flexible Arbeitszeiten und Fernarbeitmöglichkeiten entscheiden. Sie möchten auch für Arbeitgeber arbeiten, deren Werte sich eng an ihre eigenen orientieren, und bei der Auswahl eines neuen Arbeitsplatzes Werte über die Bezahlung als oberste Priorität setzen.

Indem sie als unabhängige Auftragnehmer in einer Gig-Economy arbeiten, erhalten sie mehr Kontrolle über ihre Arbeit und über ihre Karriere insgesamt. So können sie Karriereunabhängigkeit aufbauen und gleichzeitig Geschäftspartner, Kunden und Verkäufer auswählen, deren Werte mit ihren eigenen übereinstimmen.

Es bleibt abzuwarten, ob die Gig-Economy insgesamt eine gute Sache oder eine schlechte Sache für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Für finanzschwache Arbeitnehmer, welche einen Vollzeitjob anstreben, kann die Gig-Economy frustrierend sein. Für diejenigen, welche sich eine Vielfalt an Erfahrungen wünschen ist die Gig-Economy die perfekte Gelegenheit, um diese Ziele zu erreichen.

Wie weiter? - CALL-TO-ACTION

  • Ob wir es wollen oder nicht, wir alle müssen uns mit dieser Thematik auseinandersetzen;
  • Wenn wir flexibel sind und die Veränderung mittragen, können wir diese auch mitgestalten und davon profitieren;
  • Wir appellieren an den Regulator, sich zeitnah die notwendigen Gedanken zu machen, damit auch die Gig-Economy in geordneten Bahnen abläuft;
  • Auch die Arbeitnehmerorganisationen müssen umdenken und an der Mitgestaltung mitarbeiten.
Ist Teilen böse? Die Schattenseiten von Airbnb & Co. – DRS3 vom 25.3.2018

Ist Teilen böse? Die Schattenseiten von Airbnb & Co. – DRS3 vom 25.3.2018

DRS3 berichtete am 25.3.2018 in einer Sendung über die Chancen und Risiken der Sharing Economy unter dem Titel «Ist Teilen böse? Die Schattenseiten von Airbnb & Co.».
Bereits 2014 strahlte DRS eine Sendung aus mit dem Titel «Sharing Economy – Teilen ist das neue Kaufen».

Die Moderatoren Luca Bruno und Céline Raval gingen der Frage nach, ob die Euphorie der früheren Jahre verflogen sei und ob das Teilen gegenüber einem egoistischen Wirtschaftsaspekt in den Hintergrund geraten sei. Es enstand so eine  interessante Sendung unter Berücksichtigung verschiedener Sichtweisen.

Sharecon wurde zur Vorbereitung dieser Sendung zu einem längeren Gespräch ins Studie eingeladen und hat dabei zu verschiedensten Aspekten Stellung bezogen. Hier kann man die Sendung vom 25.3.2018 in voller Länge anhören.

Als Vereinigung, welche für die Sharing Economy der Schweiz einsteht, möchten wir es jedoch nicht versäumen, einige zusätzliche Aspekte aufzuführen, welche in der Sendung nicht, oder nur teilweise zur Sprache gekommen sind.

die schweizweiten Nutzerzahlen zeigen
einen ansteigenden Trend auf.

Die Studie von Deloitte zeigt auf, dass die Sharing Economy in der Schweiz an Beliebheit gewinnt. 55% der Schweizer nutzen in der einen oder anderen Weise Sharing-Angebote, Tendenz steigend.

Wir alle kennen die Schattenseiten einiger Sharing Giganten …

Über eine längere Zeitperiode konntenn wir über Airbnb, Uber und O-bike lesen. Der Regulierungsbedarf ist nicht von der Hand zu weisen. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass dies nicht bedeutet existierende Regeln 1:1 zu übernehmen, sondern dass der Bedarf vorliegt, neue und den neuen Rahmenbedingungen (Technologie, Kundenverhalten) entsprechende Regeln zu finden.

Sharing Economy bedeutet in Zeiten digitaler Transformation
eine interessante Alternative für Unternehmen und Konsumenten.

Auf der anderen Seite sind wir von der Entwicklung der Sharing Economy nicht nur als cleveres Geschäftsmodell, sondern auch weiterhin vom Nachhaltigeitsaspekt überzeugt. 

Der Smart City Gedanke und viele neue Ideen
zeigen nur den Beginn dieses Potentials

Es gibt in der Schweiz viele neue Ideen in diesem  Bereich und zeigen deutlich auf, dass in diesem Geschäftsmodell-Ansatz noch viel Potenzial liegt. Letztlich muss man sich jedoch bei allen Projekten immer auch der wirtschaftlichen Komponente (Marketing, Investitionen, etc..) bewusst sein.

  • Sharecon will die öffentliche Wahrnehmung der Sharing / Access Economy steigern und zu einer Verhaltensänderung beitraggen.
  • Sharecon hilft seinen Mitgliedern bei der Bewähltigung von Hindernissen und findet mit Partnerschaften Lösungen.
  • Sharecon ist die Anlaufstelle zur Verankerung der Sharing Economy in den Regionen.
  • Sharecon unterstützt eine nachhaltige Lebensweise und ein gesellschaftliches Zusammenleben im Sinne der Sharing Economy.
  • Sharecon setzt sich für eine lebhafrte und innovative Sharing Economy Industrie ein.

Am 19.4.2018 findet die nächste Veranstaltung im Impact Hub / Viadukt in Zürich statt.

Kostenfreie Tickets sind hier erhältlich.

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

Share Gallen: Networking und Markt

Share Gallen: Networking und Markt

Smart transportation concept. Sharing economy and collaborative consumption. Car , train and GPS icons connected together against abstract city street light background.

Kennst du das Forschungsprojekt ShareCity? Möchtest du mehr darüber erfahr? Möchtest du dein Startup öffentlich präsentieren?

Die Stadt St. Gallen stellt, am Anlass «SHARE GALLEN»  vom 25. April 2018 die Resultate des Forschungsprojektes vor.

Gleichzeitig bietet dieser Anlass eine optimale Gelegenheit, als Vertretung eines Sharing Angebotes, seine Aktivitäten zu präsentieren.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie das Anmeldeformular findest du unter folgendem Link:

www.stadtsg.ch/sharegallen

Sharecon unterstützt aktiv diesen Anlass und freut sich über deine Rückmeldung bis am 28..1.2018 via erwähntem Link.

Ethnologie und die Kultur des Teilens

Ethnologie und die Kultur des Teilens

Sharing Economy ist in aller Munde. Auch im Umfeld der digitalen Transformation erhält das Thema eine immer grössere Bedeutung. Aus diesem Grunde freut es uns besonders heute einen Gastbeitrag von Tabea Grob veröffentlichen zu dürfen, welcher die Sharing Economy aus einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet.

Gastbeitrag von Tabea Grob, Studentin an der Universität Zürich.

Foto Tabea Grob

Die Sharing Economy ist an sich nichts neues, darin sind sich alle einig. Doch während die meisten dabei an die geteilten Kleider unter Geschwistern denken oder an die Allmenden in den Alpenregionen, ergibt sich für die Ethnologie einen anderen Bezugspunkt: Jäger und Sammler Gesellschaften.

So beschreibt etwa der Ethnologe Thomas Widlok in seinem Buch „Anthropology and the Economy of Sharing“ die unterschiedlichen Mechanismen von Teilen, gegenseitigem Tausch und Schenken die in vielen Jäger und Sammler Gesellschaften die Wirtschaft formten. Dabei gilt das Teilen in der Ethnologie nicht als evolutionäre Entwicklung – zu teilen liegt dem Menschen nicht einfach im Blut.

Teilen ist viel mehr eine kulturell begründete Praxis, die hilft mit gegebenen Ungleichheiten in einer Gesellschaft umzugehen.

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Obwohl in vielen Jäger und Sammler Gesellschaften die Praxis des Teilens nach und nach durch die neoliberale Wirtschaftsordnung ersetzt wurde, bieten sie einen guten Anhaltspunkt wie das Teilen als Basis eines alternativen Szenarios einer Gesellschaft funktionieren kann. Jäger und Sammler pflegen trotz knappen Ressourcen nur eine geringe Vorratshaltung und Akkumulation an Gütern – ganz im Gegensatz zu uns.

Ihre Antwort auf die Knappheit ist die Verteilung der Güter.

Dabei wird keine staatliche Institution als distributives Zentrum benötigt, denn die sozialen Normen des Teilens sind stark genug.

Auch bei uns sind solche soziale Normen des Teilens aktiv, so teilen wir etwa ganz selbstverständlich mit unseren Verwandten und Freunden. Die aktuellen Trends in der Sharing Economy versuchen nun dieses Teilen auf ein wirtschaftliches Level zu heben das über diesen engen Kreis an Bekannten hinaus geht.

Aus einer ethnologischen Perspektive stellt sich nun die Frage, welche sozialen Normen, welche Motive und Anreize gelten müssen, damit die Sharing Economy erfolgreich sein wird.

Aus meiner jetzigen Perspektive, die sich auf Feldforschung zu den unterschiedlichen Akteuren der Schweizer Sharing Economy stützt, ergeben sich mehrere Erkenntnisse diesbezüglich. Zum einen spannen sich die Motive der Akteure von reinem ökonomischem Profitdenken bis zu tiefer ideologischer Überzeugung, einen sozialen und/oder ökologischen Mehrwert zu schaffen. Wo sich ein Unternehmen innerhalb dieser Spannbreite befindet, sagt aber noch nichts über dessen Erfolg aus. Denn je nach Motiv finden sich andere Nutzer, die sich davon angesprochen fühlen.

Eine weitere Erkenntnis liegt darin, dass die Akteure die zukünftige Entwicklung der Sharing Economy ganz unterschiedlich einschätzen. Ob das Teilen nun als zukünftiges Erfolgsmodell des Konsums angesehen wird oder nur als Trend der bald wieder verschwinden wird, hängt stark von der eigenen Wahrnehmung der Gesellschaft ab. Während die einen davon überzeugt sind, dass die Akkumulation von Gütern nicht mehr das heutige Ideal ist und die Zeit somit reif für ein neues Konsummodell ist, bräuchte es für andere eine neue Generation, härtere Zeiten oder noch disruptivere Ideen damit die Sharing Economy Erfolg haben kann.

Damit der Konsum wieder seiner lateinischen Grundbedeutung von con = mit, zusammen und sumere = nehmen, ergreifen entspricht – und somit dem Grundgedanken der Sharing Economy – müsste aus meiner Sicht nicht mehr das Individuum als Einheit gelten von der man ausgeht, sondern neu die Gemeinschaft. Das trifft bei der Mobilität, beim Wohnungsbau und der Städteplanung genauso zu wie bei der Vermarktung von Bohrmaschinen oder Nachbarschaftshilfe.

 

«Schweizer Parlament will Netzsperren…»

«Schweizer Parlament will Netzsperren…»

Dies ist die Überschrift eines interessanten Beitrag der Digitalen Gesellschaft vom 2.3.2017. Am selben Tag erschien in 20min unter dem Titel «Treffen Online-Sperren jetzt weitere Branchen?» ein weiterer Beitrag zum Thema #Netzsperren.

Selbstverständlich kennen wir alle die Beispiele des illegalen Streamen von Filmen (Pornos oder TV-Serien). Selbstverständlich wissen wir um den Konkurrenzkampf im Tourismus und die steigende Vormacht der Buchungsplattformen.

Wir wissen auch über die Gefahren und Herausforderungen der digitalen Medien, sind wir doch täglich mit einem twitternden POTUS konfrontiert, welcher uns seine tägliche Gemütsverfassung kundtun will oder der Propagandamaschine irgendwelcher politischen Strömungen.

Wir leben jedoch in Zeiten der #digitalenTransformation, was ich gerne mit der «Aufklärung» vergleichen möchte und nicht im Mittelalter, wo Wissen nur einer kleinen Schicht – dem Klerus – zugänglich war. Mit dem heutigen Internet und der laufenden digitalen Transformation verhält es sich analog wie zu Zeiten der Aufklärung. Der Zugang zu Wissen und Informationen ist offen für alle. Ein riesiger Innovationsschub rollt auf uns zu, wie nach der Aufklärung in Europa.

Und ausgerechnet in einer solchen Zeit, stellt sich ein Schweizer Parlament vor, den Zugang und die Nutzung zu regulieren durch Sperren und Verbote?

Das geht doch wohl noch etwas besser, liebe Politiker.

Es wäre eher angebracht dafür zu sorgen, dass eCommerce-Angebote Europäischer Anbieter in der Schweiz nicht mit einem 30-50% Preis-Aufschlag ihre Produkte anbieten können. Es wäre eher angebracht dafür zu sorgen, dass die Unternehmer mit Rahmenbedingungen arbeiten können, welche sie weiterhin wettbewerbsfähig halten und sie damit der digitalen Transformation trotzen können.

Also ein kleiner Appell an unsere Volksvertreter in Bern:

«Volksverteter» heisst «das Volk vertreten» und nicht nur wirtschaftlichen Lobbyismus. Netzsperren und digitale Transformation sind nicht kompatibel: weder konzeptionell noch in der Umsetzung. Diskutiert mit uns und anderen relevanten Stakeholder darüber, wie aus der digitalen Transformation eine «Mission possible» wird, ohne Netzsperren.

Wir freuen uns auf diese Gespräche.

«Teilen und Energie sparen?» – Studie von Interface Politstudien

«Teilen und Energie sparen?» – Studie von Interface Politstudien

ein Gastbeitrag von Daniel Matti, Dipl. Geograf, Bereichsleiter Verkehr & Raum, INTERFACE Politikstudien

Ist kollaborativer Konsum energiesparend? Dominiert der Teilungsvorgang die Energiebilanz oder sind gar Nebeneffekte entscheidend?

Am 9. Dezember 2015 wurden die Themen „Teilen“ und „Energiesparen“ in einer kurzen Reportage in «20 Minuten» aufgegriffen. Schon länger – seit anfangs 2015 – führen die Sozialforschungsstelle der Universität Zürich und Interface Politikstudien Forschung Beratung in Luzern im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 71 (NFP 71) des Schweizerischen Nationalfonds das Forschungsprojekt „Hype or Promise? The Contribution of Collaborative Consumption to Saving Energy“ durch.

Dabei wird der Frage nachgegangen, ob kollaborativer Konsum einen Beitrag zum Energiesparen leisten kann und wenn ja, mit welchen Massnahmen diese Art von Konsum gefördert werden kann.

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, anhand von zwei ausgewählten Sharing- Angeboten fördernde und hindernde Faktoren des kollaborativen Konsums zu identifizieren und Massnahmen zu erarbeiten, die die Nutzung energiesparender Sharing- Angebote fördern.

Das Forschungsprojekt verläuft in vier Schritten:

Das Forschungsprojekt verläuft in vier Schritten:

  1. Mit Expertenbefragungen werden kriteriengestützt Produktkategorien definiert und zwei konkrete Sharing-Angebote ausgewählt.
  2. Eine Breitenbefragung bei NutzerInnen und AnbieterInnen von Sharingangeboten erlaubt, Nutzungscharakteristiken und Motivationsstrukturen zu ergründen sowie Anreizmechanismen und gesellschaftliche, politische, ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen zu identifizieren.
  3. Die Ergebnisse dienen der Modellierung von Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen zur Förderung der Nutzung und des Bereitstellens energiesparender Sharing-Angebote. Im Rahmen eines Expertenworkshops mit Teilnehmenden aus Forschung und Praxis werden die Modelle konkretisiert und anschliessend experimentell getestet und validiert.
  4. Abschliessend werden die bisherigen Ergebnisse genutzt, um das Energiesparpotential des jeweiligen Sharing-Angebots zu berechnen und um Empfehlungen für künftige Massnahmen und für eine allfällige Rolle des Staates im Bereich des kollaborativen Konsums zu formulieren.

Im ersten, bereits abgeschlossenen Arbeitsschritt  wurden als Beispielprodukte zwei Angebote aus den Produktkategorien Mobilität und Beherbergung/Unterkunft ausgewählt: BlaBlaCar (ehemals mitfahrgelegenheit.ch) sowie Airbnb. Aktuell bereitet das Projektteam die Online-Breitenbefragung vor. Diese startet im Frühjahr 2016.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass zum Einen die Rahmenbedingungen des Teilens bedeutend sind.

  • Darf ich meine Wohnung mietrechtlich betrachtet bei Airbnb anbieten?
  • Oder wer haftet bei einem Vorfall für meinen Mitfahrer?

Zum Andern hat der Auswahlprozess für die Produktkategorien und Beispielprodukte gezeigt, dass die energetischen Auswirkungen des kollaborativen Konsums bedeutend sein können.

  • Wo wohnen Airbnb-Gastgeber während der Buchung?
  • Reisen Airbnb-Gäste öfter, weiter oder häufiger?
  • Fahren Mitfahrer beim Carpooling mehr weil es billiger ist?
  • Was geschieht mit allfällig frei werdenden Parkplätzen bei Fahrgemeinschaften?

Im Rahmen der weiteren Arbeitsschritte hofft das Forschungsteam, diese Fragen beantworten zu können. Im nächsten Halbjahr wird ein Expertenpool als Begleitgremium aufgebaut.

Das Forschungsteam lädt interessierte Personen aus dem Umfeld von Sharecon herzlich ein, den Forschungsprozess beratend zu unterstützen. Interessenten können sich via E-mail an Herrn Daniel Matti wenden.