«TEILEN WIR MIT BLOCKCHAIN BESSER?»

«TEILEN WIR MIT BLOCKCHAIN BESSER?»

Unter diesem Titel fand am 17. Oktober 2018 in Zürich ein Anlass statt, welcher Sharecon Schweiz in enger Zusammenarbeit mit dem Blockchain Center der Uni Zürich und Trust Square organisiert hatte.

Die Organisatoren hatten sich zum Ziel gesetzt, Interessierten die Blockchain-Technologie  näher zu bringen, indem der Fokus auf konkrete, heute existierende Praxisbeispiele gesetzt wurde. Das Konzept ist allem Anschein nach auf die gewünschte Resonanz gestossen, haben sich doch mehr als 65 Personen angemeldet. Abzüglich der üblichen 20% von «no-shows» (Erfahrungswert für gleichartige Events), waren es doch ca. 50 Personen welche effektiv teilgenommen haben.

Wir konnten drei interessante Referate miterleben, welche jeweils die #Blockchain aus unterschiedlichen, sich jedoch ergänzenden, Perspektiven vorstellten.

Den Einstieg machte CEO Stefan Nägeli von Swisspeers, welcher nicht nur Blockchain anhand einer interessanten «Apfel-Analogie» erläuterte, sondern einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Crowdlending-Plattform Swisspeers ermöglichte.

Hier die «Apfel-Geschichte» in Kürze:
„…ich sitze auf einer Parkbank mit meinem Apfel. Diesen gebe ich dir. Nun hast du einen Apfel und ich habe keinen mehr. Es braucht keinen Rechtsanwalt um zu entscheiden, wer nun den Apfel hat.
Nun stell dir diese Geschichte in der digitalen Welt vor: Ich gebe dir einen digitalen Apfel. Habe ich den Apfel immer noch? Habe ich denselben Apfel eventuell bereits einem Freund gesandt?…

Was zeigt uns diese Geschichte? Der digitale Austausch von Gütern ist eine Herausforderung und komplexer im Vergleich zum physischen Austausch von Gütern. Und genau hier bringt die #Blockchhain eine Lösung, nämlich die Lösung für das «double spending problem»:

  • Die «Apfelbuchhaltung» ist klar geregelt. Sie wird nicht mehr von einer Drittpartei getätigt, sondern alle Beteiligten (Peer-to-Peer) haben eine Kopie davon.
  • Vertrauen ist grösser, da Betrug sehr schwer zu realisieren ist.

Stefan Nägeli zeigte den Anwesenden auf überzeugende und inspirierende Art, wie er die Blockchain für die Kreditvermittlung nutzt. Swisspeers verbucht Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain. Dafür wurde eigens ein «Smart Contract» entwickelt.

Das Angebot bedeutet gewissermassen auch den Einstieg in das Transaktionsgeschäft mit Kryptowährungen. Denn der «Smart Contract» von Swisspeers sieht vor, dass ein Token nominal einen Anteil an der geschuldeten Darlehenssumme abbildet. Swisspeers bucht den Kreditgebern jeweils eine entsprechende Anzahl Tokens in deren persönliches Ethereum-Wallet ein.

Die effektiven Zahlungen werden weiterhin in Franken und nicht in Kryptowährungen durchgeführt. Swisspeers verspricht sich mit der Einführung der Blockchain schnellere Transaktionszeiten, höhere Sicherheit und für Investoren auch eine einfachere Handhabung ihrer Assets.

Prof. Dr. Gerhard Schwabe, Leiter des Blockchain Centers der Uni Zürich, zeigte anhand eines gegenwärtig laufenden Projektes, eine praktische Anwendung der Blockchain aus dem Bereich des Automobilmarktes und den damit verbundenen Partnern aus Versicherunng, Car-Sharing usw.. Das Projekt #Cardossier. Diesem Projekt liegt u.a. folgendes Mengengerüst zugrunde: 350’000 neue Fahrzeugzulassungen pro Jahr, 4,5 Mio. zugelassene Fahrzeuge, 900’000 jährliche Handänderungen pro Jahr und eine durchschnittliche Lebensdauer von 7-10 pro Fahrzeug.

Die Blockchain kommt hier zum Einsatz, indem ein ganzes Ökosystem (Autoimport – Versicherung – Strassenverkehrsamt – Garage – Car Sharing – Autobesitzer usw.) ein digitales Dossier mit allen relevanten Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs nachvollziehbar und sicher miteinander teilt. Mitfinanziert wird das Projekt durch die eidgenössische Kommission für Technologie und Innovation (KTI). Eine detailliertere Beschreibung findest du hier.

Prof. Gerhard Schwabe unterstrich insbesondere folgende Nutzenpotenziale einer derartigen Anwendung der Blockchain:

  • erhöhte Customer Centricity: Der Kunde ist vollumfänglich integriert.
  • Produktweiterentwicklung zusammen mit der Community
  • Operational Excellence: Massive Einsparungen auf der Prozessebene durch Abbau von Redundanzen und Doppelspurigkeiten

Flurin Hess, Co-Founder von Dezentrum und Trust Square, ging in seinem Referat auf die Frage ein «Teilen wir mit Blockchain besser?». Besonders interessant für die Anwesenden war der angebotene Perspektivenwechsel auf die heutige Sharing Economy. Er illustrierte die Veränderungen, welche Ansätze wie «digital commons» auf die Sharing Economy haben könnte. Die Blockchain ermöglicht eine massive Dezentralisierung der Wertschöpfungskette und der Bewirtschaftung von Assets. Teilen wir also in Zukunft immer noch auf die heutige bekannte Peer-to-Peer Weise? Was passiert, wenn in Zukunft Technologie als autonome Entität mit der Gesellschaft interagiert? Wie weit wird die «Disintermediation» das Access Economy Businessmodell beeinflussen? Er illustrierte diese Fragen auf eindrückliche Weise am Beispiel eines laufenden Projektes bei Dezentrum, in welchem ein Satellit, eine autonome Entität, die die Schweiz und Europa bereist, selbstständig über die Blockchain Gelder sammelt und Personen für den Transport einstellt.

Der Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion. Anstatt auf vorbereitete Fragen zu antworten, entschied sich der Moderator für die Variante «Fragen aus dem Publikum an die Referenten». Die Anwesenden nutzten diese Möglichkeiten optimal und ermöglichten somit einen krönenden Abschluss dieser Veranstaltung.

Besonders erwähnenswert ist die Frage eines Teilnehmers «Wenn ich die Website von Swisspeers besuche, sehe ich nichts von Blockchain und ich bin sehr positiv überrascht heute Abend».

Stefan Nägeli antwortete darauf «Danke – du machst mir damit das grösste Kompliment. Es zeigt, dass die Akzeptanz dieser Technologie Fortschritte macht. Wichtig ist, dass die Konsumenten ihre Problemlösungen erhalten, ungeachtet der dazu genutzten Werkzeuge.»

 

An dieser Stelle möchten wir uns nochmals bedanken bei #TrustSquare und #Dezentrum für die Gastfreundschaft und die Unterstützung. Ebenso geht unser herzlichster Dank an Prof. Dr. Schwabe des #BlockchanCenter der Uni Zürich. Er hat uns mit Projekten und Referenten in Kontakt gebracht, welche massgeblich zum Erfolg des Anlasses beigetragen haben.

Beteilige dich aktiv an der Gestaltung unserer Events, indem du uns für dich interessante Themen und Anliegen mitteilst, welche Sharecon Schweiz bearbeiten soll, sei es in Form von Events oder anderen Massnahmen.

Wir danken dir im Voraus für deine aktive Unterstützung.

Das Sharecon Team

Meine Antwort zur Frage «Welches Thema soll Sharecon als nächsten Event anbieten?»

3 + 9 =

Wie können wir von neuen Sharing-Modellen profitieren?

Wie können wir von neuen Sharing-Modellen profitieren?

Das ist eine der zentralen Fragen der diesjährigen Sharing Economy Night Basel. Der Anlass richtet sich an alle, die sich für die Dynamik der Sharing Economy interessieren, sowie an Entscheidungsträgerinnen und Akteure aus Startups, Unternehmen, Verwaltung, Politik und Gesellschaft. Impulsreferate und Workshops zeigen nicht nur Trends für Basel auf, sondern sie vermitteln auch Anwendungen und Lösungen, wie Wirtschaft und Städte neue Technologien für sich nutzen können.

Der Anlass findet am 25. Oktober von 17.30 bis 22.00 Uhr in den Launchlabs, Halle 8 im Gundeldinger Feld, Dornacherstrasse 192 statt.

Basel – eine smarte Stadt

„Smart City“ ist das Schlagwort der Stunde. Was genau sich hinter dieser Worthülse verbirgt und wie sich Basel als smarte Stadt positionieren wird, zeigt Salome Bessenich, Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt, unter anderem am Beispiel des Projektes Smart City Bahnhof Wolf auf. Die zweite Key Note Speakerin Jana Lév von sharoo doppelt nach. Sie referiert über die Möglichkeiten, wie KMU und Städte dank neuer Mobilitätskonzepte ihre Ressourcen effizienter einsetzen können.

Das Geschäftsmodell Sharing Economy verstehen und nutzen

Im weiteren Verlauf des Abends präsentieren sich völlig verschiedene Sharing Projekte im Rahmen einer kurzen Jam Session. Das Publikum lernt damit aktuelle Geschäftsmodelle und Geschäftsfelder der Sharing Economy kennen. Breakout-Sessions liefern dann praxisbezogene Inputs: Wie kann ein KMU digitale Strategien für sich nutzen? Wie werden Geldflüsse in einem Sharing Projekt buchhalterisch behandelt? Wie gelingt das Crowdfunding? Diese und weitere Fragestellungen werden in den Breakout-Workshops vertieft.

Geteiltes Wissen

Ein Anlass wie die Sharing Economy Night lebt vom Miteinander und – natürlich – vom Teilen. Darum setzt die Veranstaltung auf Wissensaustausch in interaktiven Formaten. „Genau das macht es für die Teilnehmenden auch so spannend. Sie lernen von- und vor allem miteinander. Wir teilen Best Practices; aber wir scheuen uns auch nicht, über Misserfolge und Stolpersteine zu sprechen“, fasst Graziella Michel, Co-Initiantin der Sharing Economy Night, das Erfolgsrezept des Events zusammen.

Gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit

Der Verein Sharing Economy Night wurde von Sharecon sowie den Plattformen Skillharbour.com und Crowdwerk.net ins Leben gerufen um der Sharing Economy mit ihren Chancen und Potenzialen mit einem fokusierten Event ein besonderes Gehör zu verschaffen. Die Sharing Economy Night Basel wird seit 2015 veranstaltet und ist inzwischen der grösste unabhängig organisierte Sharing-Event der Schweiz.

Mitglieder von Sharecon können vergünstigt am Anlass teilnehmen – dazu beim Ticketkauf einfach Gutscheincode «Sharecon2018» eingeben.

Tickets können hier bestellt werden

Sharing Economy Night 2018
25. Oktober 2018, 17.30 bis 22.00 Uhr

Launchlabs, Halle 8 im Gundeldinger Feld
Dornacherstrasse 192
4053 Basel
www.sharenight.ch

Blockchain und Sharing Economy

Blockchain und Sharing Economy

Die Blockchain-Technologie hält Einzug in unseren Alltag. Unter anderem wird sie den direkten Austausch von Gütern und Dienstleistungen zwischen Individuen in Peer-to-Peer-Netzwerken verstärken.

Bietet die Blockchain damit auch die Infrastruktur für eine neue dezentralisierte Sharing Economy?

Was heisst eigentlich #Blockchain? Es gibt mehr oder weniger „verständliche“ Definitionen. Hier diejenige aus Wikipedia.

Eine Blockchain (auch Block Chain, englisch für Blockkette) ist eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, genannt „Blöcke“, welche mittels kryptographischer Verfahrenmiteinander verkettet sind. Jeder Block enthält dabei typischerweise einen kryptographisch sicheren Hash (Streuwert) des vorhergehenden Blocks, einen Zeitstempel und Transaktionsdaten.

Der Begriff Blockchain wird auch genutzt, wenn ein Buchführungssystem dezentral geführt wird und der jeweils richtige Zustand dokumentiert werden muss, weil viele Teilnehmer an der Buchführung beteiligt sind. Dieses Konzept wird als Distributed-Ledger-Technologie (dezentral geführte Kontobuchtechnologie) oder DLT bezeichnet.  Was dokumentiert werden soll, ist für den Begriff der Blockchain unerheblich. Entscheidend ist, dass spätere Transaktionen auf früheren Transaktionen aufbauen und diese als richtig bestätigen, indem sie die Kenntnis der früheren Transaktionen beweisen. Damit wird es unmöglich gemacht, Existenz oder Inhalt der früheren Transaktionen zu manipulieren oder zu tilgen, ohne gleichzeitig alle späteren Transaktionen ebenfalls zu zerstören. Andere Teilnehmer der dezentralen Buchführung, die noch Kenntnis der späteren Transaktionen haben, würden eine manipulierte Kopie der Blockchain daran erkennen, dass sie Inkonsistenzen in den Berechnungen aufweist.

Es ist nicht immer einfach sich einen konkreten Überblick zu verschaffen und zwischen Forschung und operativer Realität unterscheiden zu können. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass dieses Themenfeld eine Vielzahl von Startups beschäftigt, Es gibt jedoch auch operative Anwendungen, welche bereits auf dieser Infrastrukturtechnologie aufsetzen.
Es gibt Unternehmen, welche sich diese Technologie zu eigen gemacht haben und konkrete Anwendungen realisieren. Zum Beispiel realisieren das Strassenverkehrsamt, zusammen mit der AXA Winterthur und Mobility das auf Blockchain basierende Car-Dossier.

Es gibt bereits konkrete Anwendungen der Sharing Econnomy, welche aktiv und erfolgreich am Markt sind und mit dieser Technologie realisiert wurden. Hier ein Beispiel:

Unternehmen benötigen für ihre Entwicklung finanzielle Mittel. Investoren suchen nach sinnvollen Anlagemöglichkeiten für ihr Geld. Auf dem swisspeers Online-Marktplatz treffen Unternehmen mit Finanzierungsbedarf auf Investoren mit Anlagebedarf. Bequem, einfach, transparent und fair für beide Seiten – so geht Crowdlending an KMU.

Es gibt weitere Ideen, wie man diese neue Technologie im Sharing Economy Umfeld zum Einsatz bringen könnte. Ein Zuger Startup @tendswiss hat sich zum Beispiel zum Ziel gesetzt, die Sharing Economy auch in finannziell gut betuchten Kreisen zu verankern. Die Idee: Gut betuchte Leute sollen einen Teil ihres Vermögens nicht nur in gesichtslose ETF, Aktien oder Obligationen anlegen können, sondern auch in Weingüter, in ein Gemälde oder einen Porsche 356 A Speed­ster. Investieren in Anlagen, die eine sogenannte Erlebnis-Dividende garantieren: So lautet das Motto. Einmal pro Jahr eine Woche im Sportwagen unterwegs sein, dreissig Flaschen Wein aus dem eigenen Gut. Ideen gibt es genug. Diese Idee will er mit Ethereum umsetzen. Mehr dazu in einem interessanten Handelszeitungsartikel vom November 2017.

 

In enger Zusammenarbeit mit dem Blockchain Center der Universität Zürich und Trust Square hat Sharecon eine Veranstaltung aufgesetzt, welche etwas mehr Klarheit in diese Thematik vermitteln soll.
Die Blockchain Technologie wird am Beispiel von konkreten Anwendungen erläutert. Eine gute Gelegenheit sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und neue Leute kennenzulernen.

Der Anlass findet am 17. Oktober 2018 in den Räumlichkeiten von Trust Square an der Bahnhofstrasse 3, 8001 Zürich statt. Detailprogramm.

Der Anlass ist kostenlos. Tickets können hier reserviert werden.

Was haben Panini Stickers mit Sharing Economy zu tun?

Was haben Panini Stickers mit Sharing Economy zu tun?

Aktuell werden tausende Panini-Sticker getauscht

Exsila gehört zu den ersten Sharecon-Mitgliedern. Mit über 100 000 Nutzern, Ca. 235 000 Angeboten und rund 25 000 Transaktionen im Monat ist es die grösste Online-Tauschbörse der Schweiz. Wie die Plattform genau funktioniert, was am meisten getauscht wird und wie sich das Tauschverhalten seit der Gründung 2006 verändert hat, sagt uns CEO Remo Uherek im Interview.

Wie funktioniert Exsila genau?

Nach der kostenlosen Registrierung erhält jedes neue Mitglied einen Gratis-Artikel, um mit dem System bei Exsila vertraut zu werden. Eine vollständige Transaktionsabwicklung kann man so bereits miterleben, ohne dass Geld in die Hand genommen werden muss. Anschliessend können eigene Artikel in Exsila-Punkten angeboten werden, um damit Exsila-Punkte zu erhalten. Falls man keine Angebote erstellen möchte, kann man auch Exsila-Punkte gegen Geld erwerben. Auf Exsila kann ausschliesslich in Exsila-Punkten bestellt oder angeboten werden.

Weshalb soll man tauschen und nicht einfach z.B. über Ebay kaufen bzw. verkaufen?

Da Exsila-Punkte nur auf Exsila einen Wert haben, finden sich auf unserer Tauschbörse auch hauptsächlich Privatpersonen zusammen. Exsila-Punkte haben für Grossunternehmen keinen Wert, deshalb wird Exsila nicht für den Absatz genutzt. Ein Tausch fühlt sich dadurch an wie «Ich mache jemandem eine Freude» und nicht wie «Ich verkaufe etwas gegen Geld».

Was wird momentan am meisten nachgefragt?

Angefangen als Tauschbörse für Filme, haben wir noch heute in diesem Bereich zahlreiche Filmfans. Die Nachfrage ist sehr situationsabhängig. Aktuell werden beispielsweise tausende Panini-Sticker getauscht, da sich alle im Fussballfieber befinden. Heute haben wir auch eine rege Community im Bereich der Bücher, Musik, Kleidung und vieles mehr. Unbestritten wird in der Kategorie «Filme» aber weiterhin am meisten Nachfrage generiert.

Was wird am meisten angeboten?

Am meisten Angebote findet man in der Kategorie Bücher. Ein ganzer Drittel aller Angebote machen Bücher aus, was Herzen von Buchliebhaber höherschlagen lässt.

Wie hat sich Angebot und Nachfrage seit Gründung von Exsila verändert?

Im 2006 sind wir als Geheimtipp für Filmfreaks gestartet. Die Anzahl Mitglieder hat sich die ersten Monate und Jahre sehr stark gesteigert. Die Kategorien waren hingegen beschränkt. Heute ist das Mitgliederwachstum in keinem Verhältnis zu damals. Aber das ist auf einem höheren Niveau auch schwierig beizubehalten. Die Kategorienvielfalt hat hingegen zugenommen. Heute kann fast alles auf Exsila angeboten werden. Und bei Strichcode-Artikeln wie Filmen, Büchern oder CDs gelingt dies blitzschnell mit dem Strichcode-Scanner unserer kostenlosen Exsila-App.

Wie wird man als Nutzer auf Exsila aufmerksam?

Die meisten neuen Mitglieder generieren wir, indem Exsila bei einer wohlbekannten Suchmaschine als Suchresultat aufpoppt. Aber auch über Blogs oder den Sozialen Medien wird man auf Exsila aufmerksam. Das Beste hingegen ist, wenn überzeugte Mitglieder ihren Freunden von uns erzählen. Dieses Vertrauen führt dann zu den aktivsten und überzeugtesten Exsilanern. (so nennen wir unsere Mitglieder)

Gibt es den typischen Exsila-Nutzer?

Es gibt ein paar Merkmale, die verschiedene Nutzergruppen von Exsila ausmachen. Bei vielen ist das primäre Motiv, dass man gute Artikel, die man nicht mehr braucht, nicht einfach wegwirft. (Stichwort «Ökologisch») Bei anderen überwiegt der Gedanke, dass man durch das Anbieten eigener Artikel wieder zu Artikel kommt, die man sich wünscht. Ohne, dass viel Geld in die Hand genommen werden muss. (Stichwort «Günstig») Wiederum andere sind Teil dieser Gemeinschaft, um ein Zeichen gegen die Kommerzialisierung und den ausufernden Materialismus zu setzen. (Stichwort «Revolutionär») Die Altersstruktur ist dabei bunt durchmischt. Von 18-70 Jahren sind alle Altersklassen vertreten.

Ist die Plattform lukrativ?

Exsila kann sich durch den Punkteverkauf und die geringen Tauschgebühren die Selbstkosten und die Weiterentwicklung der Tauschbörse selbstständig finanzieren. Wir sind unabhängig und müssen dadurch nicht im Dienste Dritter agieren.

Danke Remo für das Interview und den Blick hinter die Kulissen von Exsila.

Gig Economy – Modeerscheinung oder neuer Trend?

Gig Economy – Modeerscheinung oder neuer Trend?

«Gig Economy» ist ein Ausdruck, welchen man immer wieder in der Presse wiederfindet. Was bedeutet das eigentlich?  Gig-Economy ist ein Begriff, der sich auf die zunehmende Tendenz von Unternehmen bezieht, unabhängige Auftragnehmer und Kurzarbeiter einzustellen und die erhöhte Verfügbarkeit von Arbeitskräften für diese kurzfristigen Vereinbarungen. Die Gig-Economy hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen teilweise aufgrund der Beliebtheit des Internets auf auch aufgrund neuer technischer Möglichkeiten wie z. B.  Apps und Peer-to-Peer Portale, welche Nachfrager und Anbieter auf einfachste Weise miteinander in Kontakt bringen.

In Wikipedia kann man folgende Definition/Beschreibung nachlesen:

Gig Economy (von englisch: Gig für Auftritt) bezeichnet einen Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Dabei dient häufig eine Onlineplattform als Mittler zwischen Kunde und Auftragnehmer, die Rahmenbedingungen setzt und deren Betreiber eine Provision einbehält.

Wenn man diesen Markt aus der Perspektive von Rachel Botsmann’s Definition der Sharinng Economy betrachtet, kann man die Gig-Economy ebenfalls der Sharing/Access Economy zuweisen. Es geht um den Zugang zu Arbeitskräften resp. Skills, ohne dass man diese in Form von Vollzeit-Jobs «besitzen» muss.

Ist die Gig-Economy Teil der digitalen Transformation?

Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig «Ja». Peer-to-Peer Plattformen gehören zu den 50 Business Model Pattern, welche man im Business Model Navigator von BMI lab nachlesen kann. Im Rahmen der laufenden digitalen Transformation wird der Arbeitsmarkt einige Umwälzungen erfahren. Heute ist es aus unterschiedlichen Beweggründen gang und gäbe, dass ältere Arbeitskräfte durch jüngere und ggf. «günstigere» Mitarbeitende ersetzt werden. Andere Job-Arten werden durch neue Technologien abgelöst werden.

Wir sind überzeugt, dass die Gig-Economy nicht nur fester Bestandteil des Sharing Economy Marktes ist, sondern dass es ein alternatives Beschäftigungsmodell darstellt, welches es Menschen die Möglichkeit verschafft, einer wertschätzenden Beschäftigung nachzugehen. Es gibt auch in der Schweiz bereits derartige Plattformen, wie z.B. Lawoon.

Was wird sich also ändern?

  • Gig-Worker liefern eine definierte Leistung im Auftragsverfahren. Es besteht jedoch ein gewisses Risiko, dass Vollzeitjobs immer mehr durch Teilzeit-Aufträge ersetzt werden könnten, mit den Auswirkungen welche wir ja bereits heute in Europa beobachten können (z.B.  400 € Jobs usw.);
  • Gig-Worker sind in der Lage ihr Wissen und ihre Erfahrung eigenständig und gewinnbringend zu vermarkten (Einzelunternehmer);
  • Gig-Economy ermöglicht es Unternehmen ihre Kostenstruktur zu optimieren, ohne auf die wichtigen Skills verzichten zu müssen.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In den USA ist die Gig-Economy bereits weit verbreitet mit über 53 Mio. Menschen, die als Temporärarbeitende eingesetzt werden. Die Gig-Economy ist somit nicht nur ein Schlagwort. Es ist eine genaue Beschreibung des Zustandes des modernen Arbeitsmarktes; Obwohl das Bureau of Labor Statistics in den USA zugegeben hat, dass es schwierig ist, die genaue Anzahl an unabhängigen Auftragnehmern und Zeitarbeitern zu zählen, schätzt Intuit, dass Gig-Arbeiter 34 Prozent der Belegschaft ausmachen und bis 2020 auf 43 Prozent anwachsen werden.

Der Bericht «the future of work» von EY aus dem Jahr 2016 vermittelt ebenfalls einige interessante Einblicke.

Gesellschaftspolitische Auswirkungen?

Gut möglich, dass diese Tendenz der Gig Economy auch gesellschaftspolitisch Auswirkungen haben wird. Wunsch und Wirklichkeit klaffen aber noch weit auseinander und bedingen, dass die Regelwerke diesen neuen Trends angepasst werden müssen.

Die Nachfrage seine Dienstleistungen unkompliziert und effizient anbieten zu können, ohne sich langfristig an einen Arbeitgeber binden zu müssen, steht besonders bei der jungen Generation Y und Z im Vordergrund. Bereits 2017 hat die NZZ dazu einen interessanten Artikel publiziert.

Es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass immer mehr Schweizer Unternehmen flexible Arbeitsplatzmodelle miteinbeziehen. Es wird geschätzt, dass ca. 30% der Arbeitnehmer bereits heute Home-Office-Möglichkeiten nutzen.

Auch der Co-Working-Markt weitet sich immer mehr aus. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, welche flexible Arbeitsplatzumgebungen anbieten, wie z.B. VillageOffice. verrichten können.

Swissstaffing spricht in seiner Aktualisierungsstudie von 2014 sogar von einem Zuwachs der Temporärbranche von über 21% seit dem Jahr 2010 und befasst sich ebenfalls mit dem Thema Gig Economy.

Wirtschaftliche Bedeutung

2008 hatten wir mit einer weltweiten Rezession zu kämpfen. Viele Unternehmen verhängten Einstellungsstopps. Dies hat zu einer massiven Spaltung zwischen Arbeitnehmern unter 30 Jahren und Arbeitnehmern über 50 geführt.

Für Arbeitslose ist die Gig-Economy sowohl Chance als auch Herausforderung. Da viele kleine Teilzeitjobs verfügbar sind, können auch nicht Vollzeitbeschäftigte Jobs finden, um über die Runden zu kommen. Da es für Arbeitgeber jedoch günstiger ist, Jobs als Auftrag zu betrachten und zu handhaben, wird es immer schwieriger werden Vollzeitjobs zu finden bei der zunehmenden Digitalisierung. Dies ruft nach einem Umdenken auf allen Ebenen: Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Erfahrung und Möglichkeiten / Werte und Unabhängigkeit

Junge Menschen sehnen sich nach neuen Erfahrungen und neuen Möglichkeiten, insbesondere wenn sie nicht sicher sind, was sie tun wollen. Die Gig-Economy gibt ihnen diese Möglichkeit.

Die Gig-Econnomy ist auch eine Alternative für Menschen welche ohne fixe Arbeit sind oder vom RAV bereits ausgesteuert worden sind. Sie verschafft Menschen weiterhin die Möglichkeit sich «nützlich» zu fühlen und für sich selbst zu sorgen, ohne in die Fänge der Sozialwerke zu fallen.

Junge Menschen sind dafür bekannt, dass sie am Arbeitsplatz Unabhängigkeit suchen und sich wann immer möglich für flexible Arbeitszeiten und Fernarbeitmöglichkeiten entscheiden. Sie möchten auch für Arbeitgeber arbeiten, deren Werte sich eng an ihre eigenen orientieren, und bei der Auswahl eines neuen Arbeitsplatzes Werte über die Bezahlung als oberste Priorität setzen.

Indem sie als unabhängige Auftragnehmer in einer Gig-Economy arbeiten, erhalten sie mehr Kontrolle über ihre Arbeit und über ihre Karriere insgesamt. So können sie Karriereunabhängigkeit aufbauen und gleichzeitig Geschäftspartner, Kunden und Verkäufer auswählen, deren Werte mit ihren eigenen übereinstimmen.

Es bleibt abzuwarten, ob die Gig-Economy insgesamt eine gute Sache oder eine schlechte Sache für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Für finanzschwache Arbeitnehmer, welche einen Vollzeitjob anstreben, kann die Gig-Economy frustrierend sein. Für diejenigen, welche sich eine Vielfalt an Erfahrungen wünschen ist die Gig-Economy die perfekte Gelegenheit, um diese Ziele zu erreichen.

Wie weiter? - CALL-TO-ACTION

  • Ob wir es wollen oder nicht, wir alle müssen uns mit dieser Thematik auseinandersetzen;
  • Wenn wir flexibel sind und die Veränderung mittragen, können wir diese auch mitgestalten und davon profitieren;
  • Wir appellieren an den Regulator, sich zeitnah die notwendigen Gedanken zu machen, damit auch die Gig-Economy in geordneten Bahnen abläuft;
  • Auch die Arbeitnehmerorganisationen müssen umdenken und an der Mitgestaltung mitarbeiten.