Blick in die Zukunft? – Sharing Economy durch Zweckentfremdungsverbote eingeschränkt

Sharecon hat anlässlich des vergangenen Events vom 2.10.2014 die Regulierung angesprochen. Der vorliegende Gastbeitrag von Claudius Mehne (www.gloveler.de) gibt einen Einblick in die gegenwärtige Situation in Deutschland (inkl. Infografik)

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Ein Gastbeitrag von Claudius Mehnewww.gloveler.de

Die Sharing Economy wächst weltweit. Das Forbes Magazin beziffert das Volumen der Sharing Economy weltweit auf 3,5 Milliarden Dollar, bei einem jährlichen Wachstum von 25 Prozent[1].

Wie René Lisi in seinem Beitrag vom 27. August ausführt, nehmen Medien, Wettbewerber und Politik statt der Potenziale der Sharing Economy vor allem den Regulierungs-Aspekt wahr. Das ist schade, aber Realität.

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Wie viel Regulierung braucht die Sharing Economy Schweiz?

Sharecon_Event14Sharecon Schweiz führte am 2. Oktober 2014 in Bern in der Räumlichkeiten der Versicherung Die Mobiliar, dem offiziellen Sponsor und Host, einen Anlass mit Podiumsdiskussion zum Thema «Wieviel Regulierung braucht die Schweizer Sharing Economy?» durch.

Der Kapitalismus könnte sich als Wirtschaftsform schon bald überholt haben, prophezeit der US-Ökonom Jeremy Rifkin in seinem gerade erschienenen Buch „Die Null Grenzkosten Gesellschaft“. Nur in einer Welt, deren Werte Zugang und Teilhabe hießen, lasse sich die Öko-Katastrophe abwenden  (Quelle: www.cicereo.de vom 15. September 2014).

Mehr als 80 Teilnehmer, darunter Mitglieder des Sharecon Vereins, Startups, Interessierte, Vertreter aus der Wirtschaft und der Forschung sowie Journalisten haben den Weg nach Bern gefunden und an der Veranstaltung teilgenommen.

Seit Monaten sorgen besonders zwei Anbieter, die Zimmer- und Wohnungsvermittlungsplattform Airbnb und die Taxivermittlungs-Plattform Uber, vor allem im Ausland fast täglich für Schlagzeilen. Sie werden kritisiert, dass sie Rechtsbestimmungen umgehen und dank dem ungleichen Wettbewerbsvorteil Geld verdienen. So lauten die Vorwürfe z.B. bei Airbnb immer wieder, dass branchenweite Vorschriften wie Passkontrollen oder Kurtaxen umgangen werden (Quelle zu weiteren Informationen: www.nzz.ch vom 5. September 2014)

Auch in der Schweiz stellen sich mit dem Aufschwung der Sharing-Economy Fragen der Regulierung. Das Ziel des Anlasses war es den status quo darzustellen, Herausforderungen von Startups anzusprechen und auch den Handlungsbedarf näher zu diskutieren.

Nach einer Begrüssung durch Herrn Gicot, Mitglied der Geschäftsleitung der Mobiliar und Leiter Business Development, eröffnete Herr Roger Basler – www.unternehmens-architekt.ch – den Abend mit einem Ausblick zur Sharing Economy 2020+.

Basler sieht in dem Aufblühen der Sharing Economy auch den gesellschaftlichen Wandel zu einer neuen Währung, Vertrauen. Persönliche Ratings von verschiedenen Plattformen sollen so in der Zukunft ein Vertrauens-Ranking für jede Person werden und individuellere, menschlichere Interaktionen zulassen.

Im zweiten Teil gab Herr Dr. Christian Laux – Inhaber von www.lauxlawyers.ch – einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Sharing Economy. «Viele vermeintlich neue Rechtsfragen lassen sich durch geltendes Recht beantworten», erklärt Dr Laux «denn die Lebenssachverhalte ändern sich mit dem Internet nicht grundsätzlich». Die grosse Neuerung sei das Auftreten einer Plattform als dritter Partei zwischen einem Nutzer und einem Anbieter. Diese erfülle hierbei oftmals die Garantienahme, Versicherung oder Sicherstellung einer Transaktion oder Transaktionsqualität, wie z.B. der Sicherheit des Mitfahrenden bei einer Fahrtvermittlung oder den Hygiene-Standards bei einer Übernachtungsbuchung. Hierbei übernehme die Plattform auch traditionelle «Aufgaben des Staates», wie Lizenzpflicht für qualifizierte Fahrer oder Hygienekontrollen für Hotels. Hier ist es wichtig zu hinterfragen, ob diese Veränderung zeitgemäss und sinnvoll ist, oder ob vielleicht andere wichtige Aspekte vernachlässigt werden, die eine Kontrolle des Staates auch langfristig weiterhin befürworten.

«Nicht zulässig kann es jedoch sein, wenn Anbieter Vorsprung durch Rechtsbruch erreichen», führt Dr. Christian Laux weiter aus.

An der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von German Ramirez (www.sparkandstrategy.com), diskutierten Dr. Christian Laux (www.lauxlawyers.ch), Pascal Renaud, Fachsekretär der Grünen, (www.gruene.ch), Andreas Kyriacou (www.kyriacou.ch) und René F. Lisi (www.share4you.ch & www.sharecon.ch) über die Möglichkeiten das Thema Regulierung proaktiv anzugehen.

Als zielführende Strategien für Startups wurden festgehalten (1) die eigenen AGBs den rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen, sodass gar kein Rechtsbruch und kein Regulationsbedarf vorliegt, und (2) den gesellschaftlichen Nutzen der Startups, wie z.B. CO2 Einsparungen, klar und quantifizierbar darzustellen und bei Interessensverbänden und in der Politik als konstruktive und sympathische Organisation auf dem Radar zu erscheinen.

NetworkingNetworking und Gespräche unter den Teilnehmern durften selbstverständlich auch nicht fehlen und wurde rege genutzt.

Wie geht es nun weiter?

Im Anschluss an die Veranstaltung wird der Verein Sharecon zudem in den nächsten Tagen eine Umfrage lancieren, mit dem Ziel die unterschiedlichen Angebote und Business Modelle näher beschreiben zu können und dadurch den tatsächlichen Regulierungsbedarf in den einzelnen Branchen unter den Schweizer Startups näher zu kartieren und dokumentieren.

Diese Sharing Economy Landkarte der Schweiz soll dazu dienen, die Diskussion aktiv weiterzuführen. Wir danken bereits heute allen Start-Ups für die aktive Teilnahme an dieser Umfrage.

Weiterführende Information

Wir haben die Präsentationsunterlagen auf Slideshare publiziert.

Faktenblatt zu „Sharing Economy und Politik“

Grüne Wirtschaft (Website)

Faktenblatt (PDF Dokument)

Twitter Story des Events

Storify

 

Was die Sharing Economy zur Grünen Wirtschaft beitragen kann

Fazit des Fachsekretär der Grünen Schweiz

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Herr Pascal Renaud, Fachsekretär der Grünen Schweiz, hat als Vorbereitung zum Event “Regulation der Sharing Economy” des Sharecon Vereins ein Dossier verfasst. Darin führt er den aktuellen Stand der Sharing Economy aus Sicht der Politik auf und gibt Tips an Sharing Economy Startups.

Zwei elementare Punkte für ihn sind:

  1. Startups sollen mit relevanten Akteuren im Bereich grüne Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung stärker zusammenarbeiten (Bundesamt für Umwelt, Bundesamt für Raumentwicklung, Swisscleantech, ÖBU)
  2. Einhaltung von Sozialstandards bei der Vermittlung von Dienstleistungen sollten durch aktive freiwillige Massnahmen sichergestellt werden, um Rechtssicherheit zu gewährleisten

Der Strukturwandel durch die Sharing Economy sollte nicht in einem Abbau von Sozialstandards oder Regeln zum Gemeinwohl bestehen, sondern im Umbau zu einer nachhaltigeren Wirtschaft.

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Das informative Dossier gibt es hier zum Download